Hinweise zur Aufführung        

 

 

M U S I K D R A M A
für Soli, Chor und
Orchester

nach dem Libretto von
Clemens Lindner

 

1. AKT

1. Szene: Schwurgericht
2. Szene: Im Gerichtsgebäude
3. Szene: In der Gefängniszelle
4. Szene: Ein schmale Gasse

2. AKT

5. Szene: Pariser Nachtclub
6. Szene: An der Seine
7. Szene: Fotostudio
Epilog und Apotheose

 

 

 

 

Der Kopf des Halsman

In dieser Geschichte zeigt sich, wie Menschen zueinander sein können: zum einen böse, indem sie sich Schlimmstes antun. Und das nur deswegen, weil jemand woanders herkommt, anders aussieht, anders denkt oder überhaupt anders ist. Zum anderen haben Menschen aber auch ihre guten Seiten, wenn sie für- und zueinander stehen, sich helfen, sich ineinander hineinfühlen bis hin, dass sie sich lieben.

Hintergrund der Geschichte ist die wahre Begebenheit, dass in den 1920er Jahren bei einer Wanderung von Vater und Sohn, Mordok und Philipp Halsman, in den Zillertaler Alpen der Vater tödlich verunglückt. Mordgedanken tauchen auf, vor allem da beide Juden sind. Deshalb wird dem Sohn in Innsbruck ein regelrechter antisemitischer Schauprozess gemacht. Darin wird er zu lebenslänglicher Haft in Stein verurteilt. Aber auf zahlreiche Fürsprache prominenter Persönlichkeiten kommt er frei. Danach wird er einer der gefragtesten und berühmtesten Fotografen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das gesamte Werk ist durchdrungen vom Gedanken der Proportion: die zwei Akte, die Szenen und ihre Teile stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Es ging beim Komponieren also darum, den Text in eine zeitliche Ordnung zu bringen, die am besten passend für die Dramaturgie im Einzelnen und Gesamten empfunden wurde. Töne, Harmonien und Klänge entwickeln sich darin, die aus einem einzigen kleinen Motiv entspringen. Damit sich das nicht erschöpft, wurde großer Wert daraufgelegt, jeder einzelnen Szene und ihren Teilen eine eigene "Farbe" zu geben. Das bedeutete auch, dass über einzelne Worte hinaus das jeweils Prägende im Text gesucht wurde - in der Auslegung der einzelnen Textstellen wurde demnach sozusagen eine musikalische Metaebene eingenommen. Ganz wichtig war es auch immer, eine Musik zu schreiben, die verständlich und wirkungsvoll ist. Die Musik solle vorwärtsstreben und in keiner Sekunde langweilig sein.

 

 

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